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Drei-Tages-Trail Engadin Juli 2010

Men Juon, der mit seiner Partnerin Brigtte bei Scuol einen perfekt organisierten Gäste-Reitbetrieb führt, war unser Gastgeber auf dem Drei-Tages-Trail im Engadin.  
Men leitet das Lehr-Forum Schweiz der Deutschen Wanderreiter-Akademie (DWA), die für ihre Mitgliedsbetriebe einheitliche Qualitätsstandards für das „Reisen zu Pferd“ vorgibt. Dass die Station San Jon diese Kriterien erfüllt, zeigen die zahlreichen Auszeichnungen, die der Betrieb regelmäßig in der Schweiz erhält.

Zu Gast in San Jon

Auf der Veranda des Saloons begrüßt Men unsere Gruppe und stimmt uns bei einem Begrüßungstrunk auf die kommenden drei Tage ein. Auf einer topographischen Karte ist die Streckenführung des Trails eingezeichnet, der uns durch eine der einsamsten Bergregionen des Engadins führen wird. Passend dazu können wir in der Tageszeitung lesen, dass erst vor 14 Tagen in der Nähe des Val Mora ein Bär gesichtet wurde. Einzelne Bären wandern immer wieder aus Italien in das Engadin ein, was bei den Einheimischen aber sehr kontrovers diskutiert wird. Einerseits gibt es entlang des Nationalparks einen Themenweg, der sich ausschließlich den Bären widmet und von zahlreichen Bärenskulpturen gesäumt wird, andererseits möchten die Bauern aus Sorge um das Vieh auf den Alpen aber keine echten Bären mehr in der Region haben.

Nachdem Men bei den Teilnehmern die bisherigen Erfahrungen und Vorlieben abgefragt hat, teilt er die Pferde ein. Beim anschließenden Rundgang können wir unsere Pferde dann schon einmal anschauen. Anschließend weiht uns Men in das Procedere beim morgendlichen Satteln der Pferde ein. Bei ca. 70 Sätteln in der Sattelkammer und ebenso vielen Trensen, ist es wichtig, dass jeder Teilnehmer weiß, welcher Sattel zu seinem Pferd gehört und wo der richtige Platz dafür ist.

Da wir auf dem Ritt jeweils auf einer anderen Station übernachten werden, erhalten wir anschließend noch Satteltaschen, in denen das gesamte Gepäck für die nächsten drei Tage Platz finden muss. Nach dem Abendessen, einem leckeren Drei-Gänge-Menue, sitzen wir dann noch bis spät in der Nacht vor dem Saloon. Jürgen, unserer „Gitarristo“, hat ein Liederbuch mitgebracht und gemeinsam singen wir dann die Lieder aus dem Liederbuch vorwärts- und rückwärts. Als dann auch das Licht der Kerzen nicht mehr ausreicht, holt Andrea noch ihre Stirnlampe aus dem Zimmer, was wieder einmal beweist, dass nichts über eine gute Ausrüstung geht...

Am nächsten Morgen sind dann alle Teilnehmer mehr oder weniger pünktlich beim Frühstück. Ein paar haben ihre Satteltaschen am Morgen nochmals komplett neu bepackt, nachdem ihnen über Nacht Zweifel gekommen waren. Andri, unser Rittführer, geht mit uns nach dem Frühstück in den Stall und übergibt jedem das zugeteilte Pferd. Beim Satteln mit den fremden Sätteln und Packtaschen gibt es anfangs noch Unsicherheiten – diese sollten sich in den kommenden Tagen aber schnell legen. Eine halbe Stunde später sitzen wir dann in den Sätteln – unser Drei-Tages-Trail durch das Engadin hatte begonnen...

Etappe 1 - Durch das Val S-charl über den Pass da Costainas ins Val Müstair

Von San Jon folgten wir der einzigen Straße im Val S-charl hinauf zum Bergdorf
S-charl, in dem mehr als 300 Jahre lang Silber und Blei gewonnen wurde.
Die erste Hälfte der Straße ist asphaltiert, seit vor einigen Jahren eine Wasserfassung für ein Wasserkraftwerk gebaut wurde und für die Baufahrzeuge die bis dahin unbefestigte Straße ausgebaut werden musste. Wir reiten glücklicherweise jedoch kaum auf der Straße, auf der bis S-charl auch Autos fahren dürfen. Vielmehr führt uns Andri immer wieder auf schmalen Pfaden rechts und links der Straße bis hinauf nach S-charl. Wir erreichen das ehemalige Bergdorf nach etwas mehr als zwei Stunden. Dort legen wir eine kurze Rast ein, bei der die Pferde verschnaufen können und die Reiter Gelegenheit haben, im Gasthaus eine Kleinigkeit zu trinken. Ab S-charl ist der Weg dann für den Autoverkehr gesperrt. Entlang eines Wildbaches folgen wir einem Forstweg hinauf zur Alp Tamangur. Rechts und links des Weges befinden sich die Sommerweiden für die Jungrinder und das Milchvieh. Letzteres wird täglich gemolken und die Milch anschließend zu köstlichem Bergkäse verarbeitet.

Immer wieder müssen wir anhalten, um Weidetore zu öffnen und hinter uns wieder sorgfältig zu schließen. Gewöhnungsbedürftig sind auch die quer zur Straße eingelassenen Regenrinnen, die eine Erosion der Wege bei starkem Regen vermeiden sollen. Während diese früher aus einer Metallrinne – ähnlich einer Regenrinne – bestanden, werden sie nun wohl aus Kostengründen aus zwei Holzbalken gefertigt. Leider haben diese neuen Regenrinnen genau die Größe eines Pferdehufes, was schon zu tragischen Unfällen in den Alpen geführt hat, wenn sich Pferde darin verfingen und in Panik gerieten. Von Panik weit entfernt sind jedoch unsere Freiberger. Ihnen merkt man die Routine von vielen Trails in den Alpen an, wenn sie ohne die Geschwindigkeit zu verändern, die Schrittlänge jeweils so anpassen, dass sie sicher über die Regenrinnen kommen.

Der beruhigende Takt unserer Pferde lässt uns nun allmählich „herunterkommen“. Wie in Zeitlupe zieht die Landschaft an unseren Augen vorbei, was dazu beiträgt, dass wir nach und nach "entschleunigen". Mir kommt ein Zitat aus Nordamerika in den Sinn, das einem Vertreter der "First Nations" zugeschrieben wird: 

"Wenn ich nach einem Flug gelandet bin, setze ich mich erst einmal an den Rand der Landebahn, damit die Seele Zeit hat, nachzukommen"
.


Mir gefällt dieses Bild. Wer heute mit dem Flugzeug in ein fremdes Land reist, steht urplötzlich in einer fremden Kultur, ohne dass er Zeit hatte, sich darauf einzustellen. Wie anders ist das beim Wanderreiten! Wir reisen so langsam, dass Zeit bleibt, die Gedanken schweifen zu lassen und saugen dabei die Eindrücke dieser einzigartigen Berglandschaft, ihrer Gerüche und Geräusche in uns auf.

Vereinzelt begegnen uns Wanderer, was aber weder für den Reiter, noch den Wanderer eine Störung darstellt – sind doch unsere „Reisegeschwindigkeiten“ ähnlich, so dass sogar ein kurzer „Plausch“ möglich ist. Anders verhält es sich mit den Mountainbikern, die leider auf einzelnen „In-Strecken“ in den Alpen zur Plage werden können. Ihnen fehlt die Gelassenheit des Reiters oder Wanderers, vielmehr steht der sportliche Ehrgeiz so im Vordergrund, dass man das Gefühl hat, dass sie von der sie umgebenden Natur nur etwas mitbekommen, wenn sie auf einer Alp zur Pause einkehren. Und auch dann kreist das Gesprächsthema häufig um „Pulsfrequenz, Durchschnittsgeschwindigkeit“ und ähnliche Dinge...
Wer das ständige „Achtung Radfahrer von vorne/hinten“ vermeiden möchte, sollte solche Strecken an den Wochenenden meiden und lieber in aller Ruhe unter der Woche gehen.

Unsere zweite Rast legen wir auf der Alp Astras (2135 m) ein. Die bewirtschaftete Alpe bietet Getränke an, außerdem kann man ein Vesper mit Käse und Brot bekommen. Dies allerdings nur mit Vorbehalt, denn die Alpe ist in erster Linie eine Käserei und nicht auf eine ständige Bewirtung ausgerichtet. Es empfiehlt sich deshalb, für die Rast ein eigenes Vesper mitzubringen. Auf der Alp Astras verzweigt sich dann der Weg. Rechts hinauf führt ein schmaler Pfad zur Plan Mattun (2303 m) und weiter zur Funtana da S-charl (2393 m). Über diesen Weg werden wir am dritten Tag wieder zurück ins Val S-charl reiten.Wir aber folgen dem Hauptweg weiter in Richtung Pass da Costainas (2251 m). Noch vor dem Pass verengt sich unser Weg zu einem schmalen Pfad, der durch einen mit niedrigen Föhren bewachsenen Wald führt. Zwischen den Föhren haben Kühe einen geschützten Platz zur Rast gesucht. Aufgeschreckt durch unsere Gruppe kommen sie näher und beäugen uns neugierig.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales haben wir einen guten Blick auf den höchstgelegenen Arvenwald der Alpen. Die immergrüne Arve (Zirbelkiefer) besiedelt in den Alpen die höchsten alpinen Regionen. Sie kann bis zu tausend Jahre alt werden und ist die frostunempfindlichste Baumart der Alpen. Da sie auch sehr widerstandsfähig gegen Lawinen- und Schneebruch ist, erfüllt sie in den Hochlagen der Alpen eine wichtige Funktion als Schutzwald. Dort, wo Vieh weidet, setzt sich die Arve gegenüber der ebenfalls häufig vorkommenden Lärche durch, weil sie auch Schäden durch Verbiss besser wegstecken kann. Das weiche Holz der Arve wird übrigens traditionell für Schnitzarbeiten, Holzvertäfelungen und Möbel verwendet.

Nachdem wir das Föhrenwäldchen hinter uns gelassen haben, erreichen wir schließlich den Pass da Costainas. Von hier ab heißt es absteigen und führen. Der erste Teil des Weges hinunter zur Alp Champatsch (2093 m) hat ein Gefälle von bis zu 30 Prozent und erfordert Trittsicherheit von Pferd und Reiter. Hier erschließt sich auch die Bedeutung des Wortes „Wander-Reiten“.
Auf der Alp Champatsch kehren wir heute zum letzten Mal ein. Die starke Sonne auf der Südseite der Alpen fordert ihren Tribut und Pferd und Reiter sind dankbar für die Pause. Im Schatten der Sonnenschirme putzen wir zwei Platten mit Bergkäse, Bündner Fleisch und Speck weg und haben dabei ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil unsere Pferde die Pause ohne Futter verbringen müssen. Aber von nun an sind es nur noch eineinhalb Stunden, bis wir auf einem breiten Forstweg unser Quartier in Tschierv im Münstertal erreichen. Dort erwartet die Pferde eine Koppel und jede Menge Heu für die Nacht.

Etappe 2 – Vom Münstertal durch das Val Vau, das Val Mora zur Alp da Buffalora

Der Ort Tschierv (1693 m) liegt an der Straße zum Ofenpass und ist bei Rennradfahrern wie Motorradfahrern gleichermaßen beliebt. Auch wir werden heute Richtung Ofenpass reiten – aber nicht auf dem direkten Weg entlang der Straße, sondern auf einsamen Pfaden, die uns in einem Bogen zunächst in Richtung Südtirol führen und dann weiter durch das Val Vau ins Val Mora. Auf den ersten zwei Kilometern führen wir unsere Pferde entlang der Straße. Dann zweigt ein Waldweg rechts ab, der uns eben in Richtung Val Vau führt. Hier haben wir auch Gelegenheit, die Pferde eine kurze Passage zu traben. Beim Gedanken an unser Vesper, das in der Satteltasche hin- und hergeschüttelt wird, sind wir allerdings froh, dass es bald wieder im Schritt weitergeht.

In Fuldera haben wir am Dorfbrunnen noch einmal Gelegenheit, unsere Wasserflaschen mit köstlichem Quellwasser zu füllen und auch unsere Pferde genehmigen sich noch einen kräftigen Schluck – wahrscheinlich wissen sie, dass jetzt der anstrengende Teil beginnt. Von hier an folgen wir einem steil ansteigenden Forstweg durch den Wald. Meter um Meter klettern unsere Pferde unbeirrt den steilen Berghang hinauf, bis wir schließlich die Waldgrenze erreichen. Von hier an knallt die Sonne unbarmherzig auf uns herab und wir sind froh, dass sich die Pferde immer wieder an kleinen Bachläufen, die unseren Weg kreuzen, erfrischen können.
Uns geht es wie Johann Wolfgang von Goethe, als er 1786 in der Postkutsche den Brenner überquerte, um in Richtung Gardasee zu reisen:
"Die Sonne war hoch und heiß, ich musste meine Kleidung erleichtern, die ich bei der veränderlichen Atmosphäre des Tages oft wechselte".

Nach einer steilen Kehre streifen wir noch einmal die Waldgrenze. Hier, auf einer mit niedrigen Lärchen und blühenden Alpenrosen bewachsenen Bergwiese, bietet sich die Gelegenheit zu einer Rast. Wir binden die Pferde an den Bäumen an und genießen die Rast bei einem Satteltaschen-Picknick und Quellwasser aus unseren Flaschen. Das Panorama ist einfach unbeschreiblich. Zweimal müssen wir neugierige Kühe vertreiben, die sich unsere Pferde aus der Nähe anschauen wollen und mit ihren Glocken einen unglaublichen Geräuschpegel erzeugen. Am gegenüberliegenden Berghang stürzt malerisch ein Wasserfall 50 Meter den Fels herunter, um dann unter den Resten eines Lawinenkegels zu verschwinden und am Ende dann wieder als Bachlauf herauszutreten.

Nach der Pause folgen wir dem Forstweg weiter bergauf. Hier wachsen nur noch Gräser und Moose. Auf dem Sattel queren wir vom Val Vau ins Val Mora. Der Weg führt uns nun zunächst bergab entlang einer Hochebene, in der sich das Oberflächenwasser der umliegenden Berghänge sammelt. In der Folge ist hier ein Hochmoor entstanden, das eine ganz eigene Vegetation aufweist. Wir folgen dem Forstweg weiter talabwärts, bis wir eine weitere bewirtschaftete Alpe erreichen. Hier machen wir heute die letzte Pause vor dem Tagesziel, der Alp da Buffalora. Die nächste Teilstrecke nach der Pause hat es in sich. In steilen Serpentinen auf losem Untergrund kämpfen sich unsere Pferde unermüdlich bergauf, bis wir das Talende des Val Mora erreicht haben. Hier oben machen wir ein Erinnerungsfoto - die Pferde nutzen diese Pause, um wieder zu Atem zu kommen. Ab hier ist es dann nur noch eine knappe Stunde bis zum Tagesziel der heutigen Etappe, der Alp da Buffalora. Kaum haben wir die Pferde versorgt, kommt auch schon unser "Shuttle" vom Hotel am Ofenpass. Dort werden wir mit einem "Apero" begrüßt - ein schöner Ausklang für einen noch schöneren Tag...

Etappe 3 - Über den Pass dal Fuorn (Ofenpass) zurück nach San Jon

Über Nacht hat der Himmel zugezogen und es hat leicht geregnet. Rechtzeitig zum Frühstück macht der Himmel aber wieder auf und wir sind guter Dinge, dass das Wetter heute noch einmal hält. Dennoch ist es jetzt heute "einen Kittel kälter" und wir können unsere Westen und Jacken gut gebrauchen. Das Shuttle fährt uns zurück zur Alp da Buffalora, wo die Pferde schon auf uns warten. Schon früh am Morgen waren sie von den Sennern mit Heu gefüttert worden - jetzt sind sie "pappsatt" und drängen auf den Heimweg. Wir reiten durch ein traumhaft schönes Tal, queren einen kleinen Gebirgsfluss und folgen dann einem steil ansteigenden Pfad hinauf zum Ofenpass. Der Ofenpass hat seinen Namen aus der frühindustriellen Epoche, in der hier Erzöfen betrieben wurden, in denen mit dem Holz der Wälder die Erze geschmolzen wurden. Wie muss es hier früher ausgesehen haben, als die Erzöfen Tag und Nacht brannten und ihren Rauch in die Atmosphäre abgaben? Heute hat die Natur die meisten Narben dieser Zeit geschlossen und alles, was noch an diese Epoche erinnert, ist der Name "Ofenpass".
Ob sich unsere Politiker in Deuschland darüber im Klaren sind, dass die Folgen der Entscheidung, die Laufzeiten von Kernkraftwerken zu verlängern, viel weitreichender sind und dass das Problem der radioaktiven Überbleibsel dieser zeitlich begrenzten Nischen-Technologie noch in Tausenden Jahren unsere Nachkommen belasten wird?

Wir passieren das Hotel, in dem wir gestern Nacht geschlafen haben. Gleich dahinter folgen wir einem steilen Fußpfad den Hang hinunter und kommen schließlich auf eine idyllische Talweide. Vorbei an einer Rinderherde, in deren Mitte ein stattlicher Bulle als Patriarch über sein Harem wacht, queren wir noch einmal die Straße. Hier verlieren wir uns wieder in einer einsamen Natur, die uns immer wieder mit neuen Ausblicken überrascht. Schließlich kommen wir in ein kleines Skigebiet, in dem Andri als Kind das Skifahren gelernt hat. Skigebiete geben im Sommer ein trostloses Bild ab und so sind wir froh, als wir es bald wieder hinter uns lassen und dann bergauf in Richtung Funtana da S-charl reiten. Hier oben sind Steinböcke, Gemsen, Murmeltiere und Adler zu Hause. Nur einer Handvoll Wanderer begegnen wir hier oben. Unser Weg führt uns an einer großen Murmeltiersiedlung vorbei. Doch die putzigen Kerle sind wachsam und verschwinden bei unserem Näherkommen laut protestierend in Ihren Bau.

An einem großen Findling steigen wir ab, denn jetzt geht es einen steilen, sandigen Pfad hinunter in Richtung Alp Astras. Dort angekommen, schlagen wir den Weg zurück durchs Val S-charl ein. Eine letzte Rast im Gasthof in S-charl bei leckerem Kuchen und erfrischenden Getränken und wir sind am Ende dieses Drei-Tages-Trails durch das Engadin angekommen. Als wir am Ortsausgang das kleine Bergbau-Museum passieren, schieben sich dunkle Wolken an die hohen Gipfel, stauen sich dort und werden dunkler und bedrohlicher. Am Talende ist der Himmel dagegen wolkenlos und die Sonnenstrahlen erleuchten das Gipfelkreuz eines Berges. Ob wir es trocken schaffen? Nicht ganz - es beginnt langsam zu tröpfeln und wir ziehen, im Sattel bleibend, unsere Regenmäntel an. Doch der Spuk dauert nur kurz und schon kommt die Sonne wieder zwischen den hohen Gipfeln hervor.
Diese raschen Wetterumschwünge sind nichts Ungewöhnliches in den Bergen, wie schon Johann Wolfgang von Goethe auf seiner "Italienischen Reise" (1786-1787) in sein Tagebuch notiert hat:

"Auf dem flachen Lande empfängt man gutes und böses Wetter, wenn es schon fertig geworden, im Gebirge ist man gegenwärtig, wenn es entsteht".

Zu schnell ist dieser Drei-Tages-Trail vorbeigegangen und gerne wären wir noch ein paar Tage länger geritten. Aber wer weiß - vielleicht kommen wir ja im Herbst noch einmal zur Station von Men Juon, um die Freiheit auf dem Rücken der Pferde zu genießen und dabei festzustellen: "Es muss wirklich nicht immer Kanada sein"...

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