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Nachbericht Toskana "Mare e Monte" 2013

Nach 4 Jahren hat es endlich geklappt und wir haben es geschafft, unseren Freund Giulio Costi in seinem Reitbetrieb Il Cornacchino in der Toskana zu besuchen.

In den letzten 10 Jahren waren wir in vielen Ländern unterwegs, haben Freunde gewonnen und unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause gebracht.

Unser Ritt durch die Toskana war in der Summe seiner Facetten mit Abstand der Ritt, der dem Credo der DWA "Wanderreiten in angenehmer Gesellschaft, mit kulinarischem Genießen und einem Hauch von Abenteuer" am nächsten gekommen ist.

Mille Grazie Giulio...

 

Am Mittelmeer angekommen, haben wir die Chaps mit der Badehose getauscht...

Toskana 2013 - Wilde Mittelmeer-Macchia, die Kulturlandschaft der Weingüter und steppenartige Trockentäler

Giulio Costi kennt seine toskanische Heimat und ihre Geschichte wie kaum ein Anderer. Seit mehr als 30 Jahren führt er Reitgäste auf den schönsten Pfaden durch seine Heimat. Jeder Weg, jede Höhle und so manches Landgut sind dabei „lebendige Geschichte“, die er vor den Augen seiner  Reitgäste zu Leben erweckt. Durch seine langjährigen Kontakte zu den Eigentümern der Landgüter stehen ihm und seinen Gästen Tore offen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben.

Das Reiten auf den gut ausgebildeten und ausdauernden Pferden wird dabei zum Genuss – auch im wörtlichen Sinne, wenn er z.B. nach einem Galopp an einem Feigenbaum hält, um seinen Gästen die süßen Früchte von den Ästen zu pflücken. Für Giulio ist das Leben mit Pferden eine Leidenschaft, die sein ganzes Leben geprägt hat – diese Leidenschaft verbindet er auf seinen Trails mit der Kunst des Genießens der einzigartigen toskanischen Natur, ihrer Küche und ihrer Weine.  Carpe Diem ist für Giulio die Essenz seines Lebens als Rittführer.

Mit zu einem gelungenen Ritt gehört auch, dass man mit den Menschen gemeinsam reitet, mit denen man gerne zusammen ist. Da wir über das Jahr hinweg sehr viel mit Gästen reiten, Verantwortung als Gastgeber und Rittführer übernehmen, ist es für uns wichtig, einmal im Jahr selbst "Reiturlaub" zu machen. Dann gehen wir entweder in einer kleinen Gruppe mit Kollegen oder wie in diesem Jahr mit einer etwas größeren Gruppe mit Freunden auf Reisen und lassen die Seele baumeln.

Die Gruppenzusammensetzung war in diesem Jahr ideal - Giulio hat mir zum Abschluss des Rittes versichert: "Selten bin ich mit einer so guten Gruppe geritten - im Galopp konnte ich entspannt reiten, ohne dass die Reiter von hinten gedrängt oder überholt hätten. Jeder wußte, wie die Pferde im Gelände zu reiten oder zu führen sind - das war schon fast Urlaub für mich".

Das zweite Geheimnis eines gelungenen Rittes sind die Pferde und die Ausrüstung. Jeder, der selbst einen Reitbetrieb hat, weiß wie schwer es ist, die Rittigkeit und Feinfühligkeit der Leihpferde zu erhalten, wenn sie jeden Tag andere Reiter tragen und sich mit widersprüchlichen Signalen arrangieren müssen. Erfahrene Pferde lernen, Signale auszublenden, die der Reiter vielleicht unbeabsichtigt mit dem Sitz, den Schenkeln oder den Zügeln gibt und "interpretieren" die Wünsche. Ist der Reiter unsicher, macht das Pferd einen "downgrade" und bucht den Reiter vom Piloten zum Passagier um und übernimmt dabei selbst die Verantwortung. Erfahrene Rittführer setzen ihre Gäste deshalb auf die Pferde, die am besten mit dem Reiter und seinen Möglichkeiten harmonieren. Giulio plant den ersten Reittag vor einem Mehrtagestreck deshalb immer als Proberitt, bei dem getestet werden kann, wie die Pferd-Reiter-Teams harmonieren - falls es einmal nicht passt, kann dann vor dem Start noch einmal umgeplant werden. Bei unserer Gruppe hat das hervorragend funktioniert und alle Reiter waren von ihren Pferden angetan.

Gerade auf langen Ritten ist die Ausrüstung ebenfalls sehr wichtig. Wenn der Hufschutz nicht stimmt, der Sattel drückt, der Gurt zwickt und die Satteltaschen am Pferd scheuern, kann am Ende kein Pferd herauskommen, das entspannt, zufrieden und losgelassen unter dem Reiter geht. Das hat auf Cornacchino vorbildlich geklappt. Wie bei unserem Reitbetrieb auch, übernehmen die Rittführer das Satteln und Aufzäumen der Pferde. Sie wissen, was bei jedem Pferd zu beachten ist und vermeiden so mögliche Probleme. Dem gleichen Zweck dient die Reittauglichkeitskontrolle am Morgen nach dem Putzen, nach der Mittagspause und am Abend nach dem Absatteln. Toll umgesetzt, Giulio!

Welche weitere Zutat gehört in das Rezept für einen gelungenen Ritt? Natürlich die ausgesuchten Wege und passende Unterkünfte für Pferd und Reiter! Obwohl Giulio den Ritt von Cornacchino zum Meer mehrmals jährlich geht, ist das mitunter eine deutlich größere Herausforderung, als z.B. bei uns am Bodensee. In der Regenzeit sammeln sich unvorstellbare Mengen von Wasser in den Hügeln und lassen die Flüsse, die im Sommer ausgetrocknet sind, anschwellen. Der Flusslauf verändert sich, Pfade werden weggerissen oder durch Treibholz verstellt. So muss Giulio jedes Jahr die kritischen Stellen wieder von neuem erkunden und mit GPS aufzeichen, da es in den Trockentälern mit ihrer mannshohen Macchia teilweise wie in einem Labyrinth zugeht.

Giulio hat uns in dieser Woche auf tollen Wegen geführt - Asphalt- oder Betonwege gab es kaum. Unser Weg führte durch wilde Hügellandschaft, die Kulturlandschaft der Weinbaugebiete mit ihren für die Toskana typischen Zypressen und durch steppenartige Trockentäler und Weiden bis zum Sandstrand des Mittelmeers. Schöner geht es kaum noch!

In den Mittagspausen hatte Gabriele (die männliche, italienische Ausgabe) dort, wo es möglich war, bereits das Camp aufgebaut. Für die Pferde wurde eine Lowline gespannt oder eine Anbindemöglichkeit an Bäumen gesucht und für die Reiter die "Tafel" gedeckt. Danach wurde in der Mittagshitze ausgiebig "Siesta" gehalten, um dann erfrischt und ausgeruht die Mittagsetappe anzugehen.

Die Unterkünfte waren in sehr schönen Agriturismen organisiert, die hervorragende toskanische Hausmannskost und Weine auftischten. Die Abende waren teilweise lang (zumindest in der ersten Wochenhälfte, bis die körperliche Anstrengung doch bemerkbar wurde) und  "unterhaltsam".

Für mich der Höhepunkt war der Ritt mit den Butteri in der Maremma. Zumindest im Sommer, wenn es trocken ist, kann man sich kaum ein schöneres Reitgebiet vorstellen. Die langhörnigen Maremmarinder, die wir gemeinsam mit den Butteri in der mannshohen Macchia aufspürten und zusammengetrieben haben (zumindest teilweise ist das uns gelungen ;-) waren "beeindruckend". Es ist ein ganz schön komisches Gefühl, wenn man alleine auf schmalen Pfaden zwischen hohen Dornenbüschen reitet und einem plötzlich diese Rinder mit ihren langen, spitzen Hörnern entgegen kommen. Für diesen Ritt hatten wir übrigens Pferde von den Butteri bekommen, die zwar bei weitem nicht so rittig waren, wie die Pferde von Cornacchino, dafür aber die Rinderarbeit kannten und eigenständig beim Treiben mithalfen. Wenn sie gemerkt haben, welches Rind wir anvisiert haben, sind die Pferde eigenständig den Rindern gefolgt und waren dabei erstaunlich trittsicher.

Während wir die Butteri bei der Rinderarbeit im Naturpark begleitet haben, stöberten wir Wildschweine auf, Hasen und Rehe sprangen auf und bescherten uns so ein einmaliges Erlebnis.

Fazit: Diese Reitwoche hat Suchtpotenzial. Wer sicher in allen Gangarten ist und einmal etwas Besonderes erleben möchte, braucht nicht nach Afrika zu reisen, um eine Reitsafari im Sattel zu machen - die Toscana bietet all das auch (na ja - bis auf Löwen und Hyänen - aber wer braucht das schon beim Reiten...).

 

 

 

 

 

 

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